Tagesanbruch

Leise höre ich die Glocken auf dem anderen Ufer läuten.

Sanfte Morgenröte erhebt sich sacht über die Berge. Die Wellen des Sees, der mich von ihnen trennt, kräuseln leicht das dunkle Wasser.

Nebelschwaden ergießen sich zu meinen Füßen, lassen die morgendlichen Strahlen tanzen.

Ein Hauch lässt die Blätter der alten Weide rascheln, das Gras an meinen Knöcheln spielen.

Ich hebe den Kopf, sehe in das morgendliche Licht, um ihn gleich darauf wieder zu senken. Blicke zu Boden. Spüre den kalten Tau unter den bloßen Füßen, die Kleidung, die sich feucht an meinen Körper schmiegt, als bräuchte sie Trost.

Mein Blick schweift hinüber zur Weide, die mir über das Haar streicheln zu wollen scheint, bleibt an ihr hängen, hält sich an ihr fest. Ich strecke die Hand aus, sanft über ihre Rinde zu streicheln, Kraft zu holen.

Doch legt sich die Trauer immer fester um mein Herz, umschlingt es, wie der Nebel diese Insel.

Feuchte, kalte Hände legen sich um meine Schultern, als wollten sie mich halten. Doch finde ich keinen Trost, denn ist ein Teil von mir gestorben, liegt hier auf dieser Insel begraben, die vom Nebel umhüllt immer unser Geheimnis bleiben wird.

Denn spülen die Wellen jegliche Hoffnung von hier fort, tragen sie hinaus auf das offene Meer. Weit weg, von wo sie niemals mehr zurückkehren wird.

Ich hebe meinen Fuß. Spiele mit den Zehen im eisigen Wasser. Malen Kreise, wie die Ewigkeit.

Ich werde nie vergessen, kann nie vergessen.

Gehe tiefer ins Wasser, bis mich die Kälte ganz umschlingt. Doch bleibe ich stehen, blicke zurück. Warte einen Augenblick, Kraft zu sammeln. Dann kehre ich um. Setze mich ans Ufer, ziehe die schlotternden Knie an mich. Sehe hinauf in den Morgen.

Lasse meinen Kopf auf die Knie sinken. Beginne zu weinen, während die Sonne den Morgen erhellt.

18.12.08 15:51
 


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