Winternacht

Es war dunkel. Schnee bedeckte die nächtlichen Straßen. Die Spuren aus Eis längst vergangener Schritte glitzerten im fahlen Mondlicht. Mächtige schwarze Wolken verdeckten die vereinzelten Sterne.

Ein eiskalter Hauch ließ mich frösteln und die Schneeflocken leise tanzen.

Ich sah mich um, in der verlassenen Straße. Der Rauch, der aus den dunklen Schornsteinen stieg, war das einzige, was auf Leben hinwies. Ich war ganz allein.

Ich wusste nicht, weshalb ich mitten in der Nacht auf der schneebedeckten Straße, in eisiger Kälte stand. Ich sollte eigentlich in meinem Bett liegen und friedlich schlafen. Doch etwas hatte mich geweckt. War ich deswegen hier draußen? Ich wusste es nicht. Doch mir war klar, dass ich nicht zurückkehren konnte.

So bewegte ich meine steif gewordenen Glieder, warf einen letzten unsicheren Blick zurück und begann meine Reise.

Ich ging langsam und sah mir alles genau an. Nahm es in mich auf. Verabschiedete mich.

Der Schnee lag hoch, viel zu hoch. Es war anstrengend mich auf die weißen Berge, die sich vor mir auftürmten, zu kämpfen.

Sehnsuchtsvoll blickte ich in den pechschwarzen Himmel hinauf. Die Sterne funkelten aufmunternd zu mir hinab.

Ich schüttelte mich, riss mich zusammen, ignorierte meine eisigen Füße, die immer schwerer zu werden schienen und setzte meinen Weg fort.

Der unbarmherzige Wind brachte mich ins Straucheln und ich hielt kurz inne, um mich zu fangen. Ich blickte zurück, um zu sehen wie weit ich gekommen war. Es kam mir vor, als wäre ich bereits seit Stunden gewandert. Doch trennten mich nur ein paar Meter von der Stelle, von der aus ich losgegangen war.

Ich starrte sie unablässig an – ungläubig – nur ein so kurzes Stück gegangen zu sein. Ich konnte mich nicht rühren, die Verzweiflung fesselte mich. Mir stiegen Tränen in die Augen. Mein Herz begann zu rasen. Meine Gedanken überschlugen sich. Hecktisch sah ich mich um, in der Hoffnung etwas zu entdecken, das alles erklärte.

Mein gehetzter Blick blieb an der Turmuhr hängen.

Panik stieg in mir auf, schnürte mir die Kehle zu. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. In einem Sumpf aus Hoffnungslosigkeit und unbändiger Angst zu versinken.

Und ich begann zu rennen. Ein Schleier aus Tränen ließ die Welt um mich verschwimmen. Ich stolperte und schlug hart auf den Boden auf.

Mühsam rappelte ich mich auf. Legte den Kopf in den Nacken und sah hinauf in die unendliche Nacht. Der Mond beschien sanft die friedliche Schneelandschaft um mich herum. Erschöpft ließ ich mich von seinem Anblick einfangen.

Unbändige Sehnsucht überkam mich und ich hatte das Gefühl zu schweben. Als würde meine Seele vom Mond angezogen gen Himmel fliegen. Doch war es nicht meine Seele, die flog, sondern ich.

Als schwarzer Rabe erhob ich mich majestätisch in die Lüfte. Befreit flog ich immer höher, bis hin zu den Sternen.

 Beitrag zu dem Bild

Rabenkrähe

18.12.08 15:43
 


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