Land der verzerrten Wirklichkeit

Dort, wo der Himmel Wellen schlägt,

das Zebra weiße Punkte trägt,

ist’s, wo die Zeit sich selbst vergisst

und doch alles vergänglich ist.

 

Tausend Straßen, die ins Nichts nur führen,

Häuserreihen ohne Eingangstüren,

weil sich in ihnen nur die Tiere regen,

während Menschen in der Wildnis leben.

 

Bäume, die Wurzeln in den Himmel schlagen,

ein Meer, über das Wolken, Vögel jagen.

Hier springt man einen Schritt, geht einen Sprung,

die Zukunft ist alt, Vergangenheit jung.

 

Ein Flüstern dröhnt hier laut und stark,

ein heller Schrei ist leise, karg.

Hier ist die Welt ganz ohne Zeit

- Land der verzerrten Wirklichkeit!

Susanne am 20.11.08 15:41


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Ich schließe die Augen, bin ganz für mich allein. Niemand ist hier. Ich liege im warmen Wasser, das sanft und leise an mir vorbeiströmt...und...träume, lasse mich fallen. Gebe mich hin, dieser wundervollen Welt.

Ich öffne die Augen und sehe Gestirne. So nah, und doch so fern, strecke ich meine Hand nach ihnen aus.

Die Strömung spielt mir dem Saum meines Kleides. Blütenweiß und rein.

Dies hier ist mein Zufluchtsort.

Höre das leise Rauschen des Wassers, spüre eine Träne auf der Wange, unwissend, weshalb ich weine, lasse ich es geschehen.

Fühle mich stark und doch so schwach.

Ich setze mich auf, blicke mich um. Bin neugierig geworden.

Wände zu beiden Seiten, doch engen sie mich nicht ein. Sie führen mich zu meinem Ziel. 

Der Himmel scheint auf Pfeiler gestützt. Über mir nur das Firmament. Damit meine Seele fliegen kann, wohin sie will.

Ich sehe Pflanzen, höre Tiere, die ich noch niemals gesehen, die niemand kennt. Sie sind hier, versteckt, geschützt vor der Welt, in ihrem eigenen Refugium. Ich komme mir seltsam störend vor, doch akzeptieren sie mich.

Ich breite die Arme aus. Meine Füße vom warmen Wasser umspült. Meine Finger berühren kühles Gestein. Ich fahre daran entlang, blicke daran hinauf. Ich streiche über die raue Oberfläche. Nehme alles in mich auf.

Ich versuche alles zu erfassen. Berühre die Rinde eines Baumes, der so unscheinbar, doch so prachtvoll ist.

Langsam setze ich meinen Weg fort. Spritze das flache Wasser auf. Gehe in Richtung des warmen Lichts.

Fühle mich wie in Trance.

 

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Klingors Zaubergarten
Sarina am 18.12.08 15:38


Das Rad der Zeit

Der Morgennebel hing dünn wie ein Schleier über den Hügeln, ließ die Berge schummrig und fern wirken, die sich als dunkelblaue Schemen vor dem zarten Rot des Himmels abhoben. Die Luft war von kühler Klarheit und Stille, hüllte die Welt ein als wäre sie zum ersten Mal aus der Nacht entstanden, neu aus dem Ei der Dunkelheit geschlüpft, um die zarten Flügel zu strecken. Unberührt von aller Sünde, so schien es. Und hell und klar drang der erste Schlag der Kirchenglocke durch die Stille, läutete die Neugeburt ein, die Auferstehung aus allem Dunkel zum Licht und zur Hoffnung.

Und doch würde dem allen letztendlich nur eine weitere Nacht folgen, würde der Schatten wieder fallen und das Licht verschlingen. Es war der uralte Kreislauf aus Alt und Neu, aus Licht und Dunkelheit, aus Gut und Böse, ein sich immerzu drehendes Rad der Zeit, ohne Anfang, ohne Ende. Alles was einst gewesen war, würde wieder sein und alles was jetzt war, musste irgendwann vergehen. Und so war der aufblühende Morgen bereits zum Untergehen verdammt, musste Tag und schließlich Dämmerung weichen und auch der helle Klang der Glocke verlor, kaum erklungen, bereits an Kraft und mit ihr die Illusion, die er schuf. Selbst das sanfte Auf und Ab der gräsernen Hügel, die sich, weitläufige Wellen schlagend, vor dem Auge ergossen, mochte dem immer mahlenden Rad nicht entkommen und einst in einem zukünftigen Ozean ertrinken oder sich zu Bergen auftürmen, die blau vor dem anderen Himmel standen, in einem anderen Dunst verschleiert lagen. Nichts auf dieser Welt mochte Beständigkeit haben, nichts – nur die Veränderung.

Und so drehte sich das Rad und die Kirche läutete längst vergangene Illusionen und der Nebel hob sich und entschwand und alles, was war würde vergehen in einem neuen Morgen, um dem, das nachfolgen würde zu weichen, so wie es immer gewesen war und immer sein würde bis das Rad zerbrach und sich alle Gefüge dieser Welt auflösten und ins Nichts fielen.

Das alles erschloss sich ihm in diesem einzigen, furchtbaren, segenvollen Augenblick als sein Blick durch das Kirchenfenster in die Welt fiel und zum ersten Mal, so schien es, wirklich sehend war.

Susanne am 13.11.08 15:34


Es war dunkel. Nur die Sonnenstrahlen drangen durch das dichte Blätterdickicht. So wirkte es nicht beängstigend, sondern sah aus wie ein verwunschener Ort. Aus dem Boden trat aus Löchern dicker Nebel, der bläulich glitzerte, weil sich unter der Erde riesige Seen befanden. An so einem See lebten alle möglichen Wesen. Von der Schildkröte bis zur Fee. Es lebte dort auch eine kleine Koboldfamilie, die es vermied nach oben in den verwunschenen Wald zu gelangen. Die Familie bestand aus Vater- und Mutterkobold und drei kleinen Kobolden. Der Kleinste von ihnen hieß Billy, der etwas anders war als seine Familie. Er hatte den einzigen Wunsch dem Licht nach oben zu folgen und den Wald zu erkunden. Seine Mutter kriegte jedesmal panische Anfälle, wenn er seinen Wunsch erwähnte und sein Vater zupfte sich aus lauter Verzweiflung die Haare aus. Doch Billy gab nicht auf seinen Wunsch zu verwirklichen. Sein Vater hatte in zwischen nicht mehr die wuschelige Mähne wie vor Jahren noch und seine Mutter fing wieder leicht an zu beben, als er von seinem Wunsch wieder anfing. Billy hatte in dieser Nacht nämlich einen Entschluß gefaßt. Er wollte nach oben, egal was seine Eltern auch tun würden. Dies teilte er seinen beim Abendessen mit. Seine Erwartung über die Reaktion seiner Eltern wurde voll erfüllt. Seine Mutter kippte seitwärts vom Stuhl und sein Vater stand vor der beinahen Glatze. Sie versuchten zwar ihn aufzuhalten, aber es half nichts mehr. Billy hatte schon seinen Rucksack gepackt und grub sich langsam empor. Auf dem Weg durch die einzelnen Schichten der Erde traf er mehrere Regenwürmer, die ihm freundlich den Weg wiesen. Nach Stunden so kam es ihm vor, gelangte er an die Oberfläche. Er war geschafft und müde, aber dieser Eindruck, den er gewann beim ersten Umschauen, überwältigte ihn. Um ihn herum tanzten Schmetterlinge und seine dreckverschmierte Haut glitzerte in den Sonnenstrahlen. Nun machte er sich auf um die neue Welt zu erkunden. Sie hatte etwas von den ganzen Phantasiewelten, die seine Oma abends immer erfunden hatte um ihn von seinem Wunsch abzubringen, denn Kobolde mögen eigentlich weder Pflanzen, Sonnenlicht noch viele Tiere.

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Klingors Zaubergarten
Kira am 18.12.08 15:21


nachtumwogt

Es war dunkel. Schatten fielen aus den Ecken, drohten mich zu überrollen wie tintenschwarze Wellen, tanzten flackernd um mich wie im Veitstanz gefangene Kranke, Gespenster, gefangen in den wenigen Stunden in denen sie zum Leben erweckt werden.

Das Zimmer war ausgekühlt, der für einen einzelnen Menschen viel zu große Raum schien mir zugig, nachtumweht, ließ mich in seiner kalten Größe zittern. Dennoch wagte ich nicht das Fenster zu schließen, aus Angst vielleicht feststellen zu müssen, dass die Kälte weniger durch das Fenster hereindrang, als vielmehr aus mir selbst heraus, hervor, in die Ecken des Zimmers flutete, von den dunklen Schatten reflektiert wurde und einer wild tosenden Meereswoge gleich über mir selbst wieder zusammenstürzte. Unwillkürlich hatten meine Finger das raue Holz der Fensterbank umschlungen, als suchten sie in diesem stürmischen Ozean aus Nacht und Kälte Halt, um nicht fortgerissen zu werden. Der Blick fixierte das Draußen, so wie der Ertrinkende das Ufer zwanghaft mit den Augen umklammert hält, als könne er allein durch diese mentale, verzweifelte Anstrengung dem Meer entrinnen,  als wäre ein Loslassen der Augen gleichbedeutend mit dem eigenen Untergehen, oder viel mehr noch ganz so, als wäre nicht er selbst es, der sich mit den Augen am Ufer als einzigem Fixpunkt festklammerte, sondern als könne das Ufer durch ein unbedachtes Abschweifen des Blickes beim Zurückkehren desselben verschwunden sein, als müsse man das Ufer selbst durch ständiges Anstarren an seinem Platz festhalten.

Ein dunkler Schemen hob sich dort vor meinem Fenster von dem tiefen Blau der Nacht ab und wäre das ab und an jäh ausgestoßene und in seiner Plötzlichkeit so erschreckende Krächzen, das die um mich wallende Stille durchbrach, die in meinen Ohren rauschte wie das dumpfe Dröhnen an Klippen peitschender Wellen, die mich umgab und mir die Luft nahm wie schwere Wassermassen, und das die Nacht mit seinem misstönenden Ruf zerriss wie blaues Seidenpapier, nicht gewesen, so hätte ich in der schwarzen Schattengestalt wohl nicht den Raben erkannt, der er war. Er war Teil dieser Nacht und damit wohl ebenso unwirklich und entrückt wie alles und nur die helle Reflexion eines bleichen Mondes in seinen Augen und der klagende Laut seines Schreies waren Einschnitte in dem berauschenden Auf- und Abwogen der Dunkelheit.

Ich stand lange dort am Fenster, gefesselt von den Schatten, die sich aus den Ecken stahlen wie Rauchfäden oder dünne Seile und sich um meine Seele legten, um mich bewegungsunfähig zu machen und suchte Halt an allem, das mir wirklich schien; dem faserigen Holz unter meinen Fingerkuppen und der dunklen Krähengestalt vor meinem Fenster, die mich mit mondkaltem Auge und heiserzüngigem Schnabelstoß durchbohrte.

 

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Rabenkrähe

Susanne am 16.10.08 15:21


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