Der Standort ist die evangelische St. Markus Kirche in der Großburgerstraße 12 in Karlsruhe.

Ich befinde mich derzeit, 23.59 Uhr, vor den geschlossen Toren des Gotteshauses.

Um mich herum ist nichts außer der dunklen Nacht.

Genau um Mitternacht erschrecke ich mich, da die Kirchenglocken in hellen Tönen klingen und durch meinen ganzen Körper ziehen.

Mir läuft ein Schauer über den Rücken, es umfasste mich eine Magisch mystische Hülle und um mich herum erhellte sich alles.

Mitten in der Nacht Sonnenstrahlen?

Nein, das ist unmöglich. Ich kann mich vor Ergriffenheit nicht rühren. Die Strahlen, die direkt über dem Dach der Kirche ihren Ursprung finden, zielen punktgenau auf die frisch verschütteten Gräber.

Jennifer am 18.12.08 16:03


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Erlkönig (Parodie)

Wer schippert so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Fischer mit seinem Kind.

Sein Kind, das war seine Angelkiste,

er fasst sie sicher, in der Umgebung so triste.

 

Ahh, meine Kiste, warum springst du von Bord?

Ich brauche dich, willst du, dass ich begehe  Mord?

Mit Messer und Axt in den Kopf?

Ich brauch dich, für meinen Topf.

 

Du lieber Fisch, komm her zu mir!

Gar schöne Gewürze schenk’ ich dir.

Manch buntes Gemüse ist am Tellerrand,

die Butter schenkt dir manch schmackhaftes Gewand.

 

Meine Kiste, meine Kiste, wie soll ich ohne dich,

mir kochen so himmlisch?

 

Bleib ruhig, bleib ruhig, alter Mann!

Jetzt red ich mit mir, ohne Gewinn.

 

Willst feiner Fisch du mit mir geh’n?

Meine Frau soll dich backen schön:

Sie wird dich packen in den Ofen hinein

und wiegt und würzt und buttert dich ein.

Jennifer am 18.12.08 16:02


Totentanz

Alles schläft, der Mond scheint,

nur der Türmer wacht und weint.

Das Grauen kommt näher, es lebt,

plötzlich merkt er, die Erde bebt.

Die Glocke klingt, der Boden wackelt,

die Erde bricht und alles gackert.

Die Gerippe erwachen munter und froh,

nur der eine fragt dauernd, wo ist denn das Klo.

Es wird getanzt mit Hemd und Tuch,

ganz chic und nett und schrecklich verrucht.

Doch plötzlich fängt’s an, das Klappern der Tür,

da erwacht der Mensch und schreit nach seinem Bier.

Die Geister verschwinden ganz schnell in der Höll,

da kommt der Menschennachbar mit seinem Müll.

 

Die Geisterstunde hat’s mal gegeben,

doch leider fängt der Mensch jetzt auch nachts an zu leben.

Jennifer am 18.12.08 15:55


Tagesanbruch

Leise höre ich die Glocken auf dem anderen Ufer läuten.

Sanfte Morgenröte erhebt sich sacht über die Berge. Die Wellen des Sees, der mich von ihnen trennt, kräuseln leicht das dunkle Wasser.

Nebelschwaden ergießen sich zu meinen Füßen, lassen die morgendlichen Strahlen tanzen.

Ein Hauch lässt die Blätter der alten Weide rascheln, das Gras an meinen Knöcheln spielen.

Ich hebe den Kopf, sehe in das morgendliche Licht, um ihn gleich darauf wieder zu senken. Blicke zu Boden. Spüre den kalten Tau unter den bloßen Füßen, die Kleidung, die sich feucht an meinen Körper schmiegt, als bräuchte sie Trost.

Mein Blick schweift hinüber zur Weide, die mir über das Haar streicheln zu wollen scheint, bleibt an ihr hängen, hält sich an ihr fest. Ich strecke die Hand aus, sanft über ihre Rinde zu streicheln, Kraft zu holen.

Doch legt sich die Trauer immer fester um mein Herz, umschlingt es, wie der Nebel diese Insel.

Feuchte, kalte Hände legen sich um meine Schultern, als wollten sie mich halten. Doch finde ich keinen Trost, denn ist ein Teil von mir gestorben, liegt hier auf dieser Insel begraben, die vom Nebel umhüllt immer unser Geheimnis bleiben wird.

Denn spülen die Wellen jegliche Hoffnung von hier fort, tragen sie hinaus auf das offene Meer. Weit weg, von wo sie niemals mehr zurückkehren wird.

Ich hebe meinen Fuß. Spiele mit den Zehen im eisigen Wasser. Malen Kreise, wie die Ewigkeit.

Ich werde nie vergessen, kann nie vergessen.

Gehe tiefer ins Wasser, bis mich die Kälte ganz umschlingt. Doch bleibe ich stehen, blicke zurück. Warte einen Augenblick, Kraft zu sammeln. Dann kehre ich um. Setze mich ans Ufer, ziehe die schlotternden Knie an mich. Sehe hinauf in den Morgen.

Lasse meinen Kopf auf die Knie sinken. Beginne zu weinen, während die Sonne den Morgen erhellt.

Sarina am 18.12.08 15:51


Winternacht

Es war dunkel. Schnee bedeckte die nächtlichen Straßen. Die Spuren aus Eis längst vergangener Schritte glitzerten im fahlen Mondlicht. Mächtige schwarze Wolken verdeckten die vereinzelten Sterne.

Ein eiskalter Hauch ließ mich frösteln und die Schneeflocken leise tanzen.

Ich sah mich um, in der verlassenen Straße. Der Rauch, der aus den dunklen Schornsteinen stieg, war das einzige, was auf Leben hinwies. Ich war ganz allein.

Ich wusste nicht, weshalb ich mitten in der Nacht auf der schneebedeckten Straße, in eisiger Kälte stand. Ich sollte eigentlich in meinem Bett liegen und friedlich schlafen. Doch etwas hatte mich geweckt. War ich deswegen hier draußen? Ich wusste es nicht. Doch mir war klar, dass ich nicht zurückkehren konnte.

So bewegte ich meine steif gewordenen Glieder, warf einen letzten unsicheren Blick zurück und begann meine Reise.

Ich ging langsam und sah mir alles genau an. Nahm es in mich auf. Verabschiedete mich.

Der Schnee lag hoch, viel zu hoch. Es war anstrengend mich auf die weißen Berge, die sich vor mir auftürmten, zu kämpfen.

Sehnsuchtsvoll blickte ich in den pechschwarzen Himmel hinauf. Die Sterne funkelten aufmunternd zu mir hinab.

Ich schüttelte mich, riss mich zusammen, ignorierte meine eisigen Füße, die immer schwerer zu werden schienen und setzte meinen Weg fort.

Der unbarmherzige Wind brachte mich ins Straucheln und ich hielt kurz inne, um mich zu fangen. Ich blickte zurück, um zu sehen wie weit ich gekommen war. Es kam mir vor, als wäre ich bereits seit Stunden gewandert. Doch trennten mich nur ein paar Meter von der Stelle, von der aus ich losgegangen war.

Ich starrte sie unablässig an – ungläubig – nur ein so kurzes Stück gegangen zu sein. Ich konnte mich nicht rühren, die Verzweiflung fesselte mich. Mir stiegen Tränen in die Augen. Mein Herz begann zu rasen. Meine Gedanken überschlugen sich. Hecktisch sah ich mich um, in der Hoffnung etwas zu entdecken, das alles erklärte.

Mein gehetzter Blick blieb an der Turmuhr hängen.

Panik stieg in mir auf, schnürte mir die Kehle zu. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. In einem Sumpf aus Hoffnungslosigkeit und unbändiger Angst zu versinken.

Und ich begann zu rennen. Ein Schleier aus Tränen ließ die Welt um mich verschwimmen. Ich stolperte und schlug hart auf den Boden auf.

Mühsam rappelte ich mich auf. Legte den Kopf in den Nacken und sah hinauf in die unendliche Nacht. Der Mond beschien sanft die friedliche Schneelandschaft um mich herum. Erschöpft ließ ich mich von seinem Anblick einfangen.

Unbändige Sehnsucht überkam mich und ich hatte das Gefühl zu schweben. Als würde meine Seele vom Mond angezogen gen Himmel fliegen. Doch war es nicht meine Seele, die flog, sondern ich.

Als schwarzer Rabe erhob ich mich majestätisch in die Lüfte. Befreit flog ich immer höher, bis hin zu den Sternen.

 Beitrag zu dem Bild

Rabenkrähe

Sarina am 18.12.08 15:43


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